1. Tag: Trier
 

Planung
Die Zeitschrift Oldtimer-Markt brachte bereits im Jahr 2003 ein Sonderheft unter dem Titel "Extratouren" heraus, das die schönsten Strecken für Cabrio-Touren in Europa vorstellt. Im Sommer 2004 fiel uns dieses Heft in die Hände, und eine darin beschriebene Tour durch das Großherzogtum Luxemburg gefiel uns ob der herrlichen Fotos und es enthusiastischen Reiseberichts spontan am besten. Allerdings geriet die Idee, es den Autoren nachzumachen und entlang grüner Strecken durch verträumte kleine Örtchen zu tuckern, über den trüben Sommer 2004 in Vergessenheit. Gut, der Sommer 2005 war keinen Deut besser, aber das wusste ich Anfang des Jahres noch nicht, als ich die Idee wieder aufgriff und eine eigene Route zu planen begann. Aus dem vom Oldtimer-Markt vorgeschlagenen Wochenend-Trip wurde so ein netter kleiner Ausflug für zwei Personen über vier Tage ( >> KARTE << ).

Jene Planung fand im April statt, und eigentlich hatten wir als Reisezeit den Mai vorgesehen, doch daraus wurde nichts, denn der "Sommer" 2005 spielte einfach nicht mit. Es gab monatelang kein verlängertes Wochenende, an dem von Freitag bis Montag Sonnenschein zu erwarten gewesen wäre, und eine Cabrio-Tour im Regen kann man sich nun wirklich sparen. Erst Ende August 2005, genauer gesagt vom 26.8. bis 29.8., war es dann so weit: Die Wettervorhersage lautete zunächst auf heiter bis wolkig, im Verlauf des Wochenendes dann gar auf sonnig. Keine ideale, aber doch eine sehr gute Prognose, und allemal gut genug um aufzubrechen, wenn man zuvor bereits 15 Wochenenden nichts als Wolken und Regen ertragen hat. 

Erste Station: Trier

Unsere Reise führte uns - anders als im Oldtimer-Markt vorgeschlagen - jedoch nicht gleich nach Luxemburg, sondern zuerst nach Trier, der ältesten deutschen Stadt, die wir ausgiebig besichtigen wollten. Trier hat eine Menge zu bieten und liegt außerdem nur knappe 30km von der luxemburgischen Grenze entfernt - eine ideale Ausgangsbasis also.

Schon bei der Buchung des Hotels hatte ich allerdings einige Probleme. Konnte ich in Luxemburg unproblematisch noch überall kurzfristig ein schönes Zimmer bekommen, waren in Trier alle Hotels ausgebucht. Alle bis auf das Ramada-Hotel genauer gesagt, in dem wir schließlich unterkamen. Erst vor Ort erfuhren wir den Grund für diesen Engpass: Die Rallye-Weltmeisterschaft 2005 machte ausgerechnet an diesem Wochenende in Trier Station! Über die ganze Stadt verstreut sah man immer wieder Menschen in Rennanzügen oder Polohemden mit Aufschriften wie "Subaru", "Citroen" usw. Auch in unserem Hotel hingen einige Rallyefreunde ab, ohne dass wir hätten sagen können, ob es Fahrer, Mechaniker, Fans, Presse oder Groupies waren.


Sehenswürdigkeiten
Unsere erste Station in Trier waren die Kaiserthermen (Detailansicht links) oder das was davon übrig ist. Im Gegensatz zu den meisten anderen Sehenswürdigkeiten sind von den Thermen nämlich nur Fragmente erhalten, die von einer Grünanlage umgeben sind. Durch jene Grünanlage kann man bequem zum Kurfürstlichen Palais spazieren, das nur einige hundert Meter entfernt liegt. Überhaupt lässt sich sagen, dass Trier eine Stadt der kurzen Wege ist, denn alle Sehenswürdigkeiten kann man auf einem Rundgang abschreiten, der bequem an einem halben Tag zu schaffen ist. Das Palais ist nur von außen zu besichtigen, verfügt aber über einen sehr geschmackvollen, bunten Blumengarten, der zu einer kleinen Pause einlädt. Geht man einmal um die Anlage herum, steht man praktisch unmittelbar vor der nächsten Attraktion, der römischen Palastaula, auch Basilika genannt (Bild rechts). Sie ist komplett renoviert, wenngleich im Inneren eher schlicht gehalten. Sie wirkt von innen wie außen recht groß, aber dass die Porta Nigra hier zweimal hineinpassen soll, wie der Reiseführer behauptet, hätte ich niemals gedacht.

Von der Basilika aus ist es wiederum nur ein Katzensprung zum Trierer Dom, dem ältesten Gotteshaus Deutschlands, dessen Ursprünge laut Reiseführer bis ins 4. Jahrhundert zurückgehen, in dem die Römer bekanntlich erst die Christenverfolgung aufgegeben haben. Viel älter kann eine christliche Kirche also gar nicht sein. Man kann aber nicht sagen, dass der Dom wirklich aus dem 4. Jahrhundert stammt, denn der Bau eines Doms dieser Größe war ein Prozess, der sich über viele Jahrhunderte hinzog. Gerade beim Trierer Dom kann man sehr schön sehen, dass immer wieder Gebäudeteile zerstört wurden, neue hinzu kamen, andere ausgebaut wurden usw. Es handelt sich daher weniger um ein Gebäude, als vielmehr um eine Anlage (Bild links, Quelle: Postkarte). Die ältesten noch vorhandenen Fundamente stammen aus der Zeit um 1046. 

Das Interieur lässt sich auch nicht mit wenigen Worten beschreiben. Das Mittelschiff würde ich jedenfalls als schlicht-elegant bezeichnen, es dominieren riesige Säulen und Kuppeln, Buntglasfenster oder Fresken gibt es hier hingegen nicht. Die Heiltumskammer am Scheitel des Ostchors birgt den "Heiligen Rock", die kostbarste Reliquie des Doms. Es soll sich um das Gewand von Jesus Christus handeln. Es wird nur zu ganz besonderen Anlässen gezeigt, und zwar seit 1545 noch ganze sieben Mal, zuletzt anlässlich der Wallfahrt 1996, die über eine Million Pilger nach Trier führte. Ob die Tunika echt ist, weiß ich nicht. Ein gewisses Misstrauen ist aber sicherlich angebracht, denn erstmals erwähnt wird sie über 1100 Jahre nach dem Tod Jesu Christi. Angeblich wollten die aufstrebenden Trierer damit die Abtei in Prüm übertrumpfen, die "nur" über die Sandalen Christi verfügte. Wahrscheinlich taucht nächste Woche in Paderborn das Originalkreuz auf...

Vom Dom aus erreicht man durch eine kleine Gasse den Marktplatz von Trier, der sehr gemütlich wirkt, weil zahllose Straßencafes von Häusern mit gepflegten, auf Mittelalter getrimmten Fassaden umrahmt werden. Das schönste dieser Häuser ist wohl das Dreikönigenhaus (kleines Foto links), dessen Besonderheit darin liegt, dass sein ursprünglicher Eingang sich heute im 1. Stock befindet. Schlendert man die Fußgängerzone entlang, führt sie direkt zur Porta Nigra, dem wohl bekanntesten Wahrzeichen Triers. Das römische Stadttor verdankt seinen Namen der schwarzen Farbe, die übrigens nicht, wie ein Vorurteil besagt, aus Autoabgasen stammt, sondern einfach daher, dass der verwendete Sandstein sich an seinen Bruchstellen durch den Kontakt mit der Luft schwarz verfärbt. Es wurde in 2-4 Jahren Bauzeit um 180 n.Chr. errichtet und war Bestandteil der Stadtmauer, welche Trier vor Eindringlingen schützte. Heute kann man die Porta Nigra gegen eine erschwingliche Gebühr erklimmen. Sie bietet einen schönen Blick über die Fußgängerzone und den Marktplatz. Das kleine Bild rechts zeigt die stadteinwärtige Seite. Man erkennt unten links die vor der Porta Nigra aufgebaute Startrampe der erwähnten Rallye-WM 2005. Nachts wird die Porta Nigra angestrahlt, und so unternahmen wir gegen 22 Uhr noch einen zweiten Spaziergang dorthin. Es lohnt sich nicht, denn die Stadt setzt nur zwei matte Strahler ein, die das Tor in ein blasses Licht tauchen, das vollkommen unspektakulär, ja beinahe lieblos wirkt. Wie viel mehr hätte man daraus machen können!

Nicht versäumen sollte man  einen kleinen Abstecher an das andere Ufer der Mosel, den wir zum Abschluss unseres Tagesprogramms unternahmen. Auf dem Markusberg steht die Mariensäule, von deren Plateau aus man einen wunderschönen Blick auf Trier und die Mosel genießen kann. Unweit der Mariensäule befindet sich das vielfach angepriesene Restaurant Weißhaus, zu dem früher eine Seilbahn quer über die Mosel führte. Diese ist allerdings seit Jahren außer Betrieb. Gleiches galt bei unserer Ankunft (per Auto) auch für das Weißhaus, weshalb wir wieder in die Stadt zurückkehrten. Dort fanden wir für das Abendessen ein australisches (!) Restaurant, auf dessen Speisekarte sich so exotische Gerichte wie Krokodil-, Emu- und Kängurufleisch fanden. Wir haben uns allerdings für etwas mitteleuropäischere Speisen entschieden, die ganz ausgezeichnet schmeckten. Ein australisches Bier (Fosters) durfte es aber schon sein.
 
Bilder:




Detailansicht der Kaiserthermen.



Der Dom in Trier.



Fassaden entlang des Marktplatzes in Trier.



Die stadtauswärtige Seite der Porta Nigra.



Trier an der Mosel von der Mariensäule aus.