Calgary
Von Cardston bis Calgary sind es immerhin noch 234 km die I-2 hinauf
geradewegs Richtung Norden. Diese wenig
abwechslungsreiche Strecke
bewältigten wir in kaum mehr als zwei Stunden. In Calgary
angekommen, machten wir zunächst einen Abstecher zum "Heritage
Park". Dabei handelt es sich um ein Museumsdorf im Stil der
Jahrhundertwende. Man hat historische Gebäude aus ganz Kanada
abgetragen und dort Stein für Stein wieder aufgebaut. Eine Dampflok
fährt in einer Kreisbahn um den Park, ein Mississippidampfer (Bild) bringt
Touristen über das Glenmore Reservoir, und selbst ein Ölbohrturm
fehlt nicht. Auf den Straßen laufen Schauspieler in historischen
Kostümen herum und führen einstudierte Gespräche darüber, wann die
nächste Postkutsche fährt und wer die letzte Schlägerei im Saloon
angezettelt hat. Das Ganze erinnert doch sehr an einen Disneypark
und ist wohl eher etwas für Kinder. Jedenfalls verbrachten wir nur
eine Stunde dort, dann hatten wir alles gesehen.
Stadtbesichtigung
Die eigentliche Besichtigung der Stadt Calgary begann für uns vom
Scotsman Hill aus. Einem Tipp aus dem Reiseführer
folgend
suchten und fanden wir schließlich diesen etwas versteckten
Aussichtspunkt, der einen hervorragenden Blick auf Downtown Calgary
mit der wegen ihrer an einen Sattel erinnernden Dachkonstruktion
"Saddle Dome" genannten Mehrzweckarena im Vordergrund ermöglicht (Bild links).
Eine wirklich hervorragende Einstimmung auf die Stadt.
Der erste Weg in Downtown Calgary selbst führte uns auf den 191m
hohen Calgary Tower, an dem uns ein deutscher
Kartenverkäufer begrüßte. Im Gegensatz zur Seattle Space Needle war
es dort überhaupt nicht voll. Ja, ga nz Calgary machte einen eher
leeren Eindruck, was daran gelegen haben könnte, dass der
weltbekannte Stampede, zu dem sich Calgary alljährlich für
eine Woche in eine Westernstadt verwandelt, gerade eine Woche vorbei
war.
Oben im Calgary Tower gibt es ein Drehrestaurant, in dem
man lecker (und durchaus preiswert) essen und einen 360o-Blick
über die Dächer von Calgary genießen kann. Für ganz Mutige bietet
zudem eine Aussichtsplattform die Gelegenheit, nur auf einer dünnen
Glasplatte über dem Abgrund stehend in die Tiefe zu blicken. Und ja,
ich schwöre, dass das auf dem Bild rechts meine Füße sind!
Unweit des Calgary Tower beginnt die "Stephens Avenue", eine
schön angelegte Fußgängerzone mit vielen kleinen Geschäften, Bars
und Restaurants. Man kann dort einige Stunden Bummeln oder einen
Kaffee trinken. Wir machten uns allerdings recht bald auf den Weg
Richtung Banff, unserer nächsten Station, weil wir ein wenig Sorge
hatten, ob wir später am Abend noch eine Unterkunft in der Nähe des
rege frequentierten Banff NP finden würden. Und in der Tat war es
nicht ganz einfach, noch unterzukommen. In Canmore,
unmittelbar vor den Toren des Nationalparks, fanden wir aber doch
noch ein Quartier für die Nacht, und ein sehr schönes dazu.
Lake Louise
Am nächsten Morgen ging es weiter in den Banff NP. Kurz
hinter Canmore muss man eine Rangerstation passieren, an der die für
den Park fällige Gebühr kassiert wird, welche mit 17,80$ pro Tag
extrem teuer ist. Wir erwarben daher gleich den für ein Jahr
gültigen "National Parks of Canada Pass" für alle Parks in
ganz Kanada, der zwar mit 123$ auch kein Schnäppchen ist, sich für
uns aber rechnete und uns zudem künftig das Warten an den
Zahlstellen ersparen würde.
Wir hatten bereits am Abend vorher beschlossen, zunächst nicht nach
Banff zu fahren, obwohl der Ort direkt entlang unserer Route lag,
sondern bis Lake Louise durchzufahren, weil wir zwei Tage später von
Jasper aus noch einmal durch Banff kommen würden. Außerdem war das
Wetter an diesem 21.7. äußerst mäßig und wir hofften, dass es etwas
weiter nördlich vielleicht
besser werden würde. Das war dann
tatsächlich auch der Fall, aber erst im Verlauf des Nachmittags, so
dass wir den wunderschönen, überraschend kleinen Lake Louise (Bild), der
auch die Menügrafik dieser Seiten bildet, zunächst im Regen
erlebten. Gut, dass das piekfeine Fairmont Chateau über einen
netten Coffeeshop verfügt, wo man für nur 13$ einen Cappucino, einen
Kakao und ein Donut bekommt, Sitzplatz inklusive.
Da das Wetter nicht zu weiteren Unternehmungen einlud, verbrachten
wir anschließend einige Stunden im Hotel, das wir uns morgens als
erstes gesucht hatten. Dort stellte dann ein Mitglied unserer aus
zwei Personen bestehenden Reisegruppe - und ich war es nicht - fest,
dass ihre Kreditkarte abhanden gekommen war. Kein Problem
eigentlich, denn man kann sie ja per Hotline sperren lassen, und wir
verfügten noch über zwei andere Kreditkarten. Nur leider war die
Nummer, die man bei Verlust anzurufen hatte, eine 0800-Nummer, die
aus dem Ausland nicht funktionierte, und an diesem Samstag
erreichten wir auch bei der Bank niemanden mehr. Großartig! So
verbrachten wir gut zwei Stunden mit Telefonaten in die Heimat, bis
die Sperrung endlich bewerkstelligt war. Mutter, wir danken Dir!
Moraine Lake
Quasi zur Belohnung wurde dann das Wetter besser, und wir fuhren
noch einmal los, um uns den ca. 10 Meilen vom Lake Louise entfernt
gelegenen Moraine Lake anzusehen. Diese Idee hatten offensichtlich
nicht nur wir, denn eine dichte Autoschlange schleppte sich die
schmale Straße zum See hoch. Dort hatten wir noch Glück mit dem
Parkplatz, der eigentlich völlig überfüllt war, aber direkt vor uns
parkte jemand aus.
Nach einem kurzen Spaziergang an diesem wirklich schön gelegenen,
andererseits aber auch nicht überragenden See kehrten wir noch
einmal zum Lake Louise zurück, den wir überraschend wenig besucht
vorfanden. Dort wurden wir von einem Filmteam des Fairmont
Chateau aufgenommen, das uns unbedingt für den
Internetauftritt des Chateaus gewinnen wollte. Vielleicht
erscheinen wir eines Tages ja wirklich dort. Eine Gage gab es leider
nicht.
Icefields Parkway
Der Banff NP geht nach Nordwesten hin nahtlos in den Jasper NP über.
Der 230 km lange Highway 93, die einzige Verbindungsstrecke zwischen Banff und
Jasper quer durch die beiden Parks, "Icefield Parkway" genannt,
gehört zu den schönsten und interessantesten Strecken Kanadas und
sollte eines der Highlights unserer Reise werden. Die
Wetterprognosen im Internet verhießen allerdings nichts Gutes -
Schauer für die nächsten zwei bis drei Tage! Doch sieh e
da, das Wetter war während der Fahrt durchaus okay, einige Wolken
hier und dort, aber teilweise auch sonnig und - ganz wichtig für
eine Cabriofahrt - trocken. Wenn überhaupt, dann regnete es für
einige wenige Minuten, und das war zu verschmerzen, zumal wir
oftmals mit einem herrlichen Regenbogen belohnt wurden (Bild
rechts).
Columbia Icefield
Ausgerechnet am Columbia Icefield, dem wohl wichtigsten Stopp
entlang der Fahrt, hatten wir
besonders
gutes Wetter. Das Columbia Icefield ist heute noch ca. 325 qkm
groß (zum Vergleich: Das entspricht ziemlich genau dem
Stadtgebiet von Bremen), war früher jedoch um ein Vielfaches größer.
Das Eisfeld selbst ist von der Straße aus nicht zu erreichen, ja bis
auf drei seiner Gletscher noch nicht einmal zu sehen. Einer dieser
Gletscher ist der Athabasca Gletscher, den man mit dem Pkw
erreichen und nach einem strammen und recht glitschigen Anstieg auch
betreten kann. Überall stehen Schilder, die darauf hinweisen, wie
weit der Gletscher sich mittlerweile auf dem Rückzug befindet.
Nötig wäre das nicht, denn die Eisschmelze ist nicht zu übersehen.
Wir waren bereits einmal auf dem
Gletscher Pasterze in den Alpen, und mit jenem kann der
Athabasca Gletscher unseres Erachtens nicht ganz mithalten, weil er
weniger gut zu sehen und weniger gut zu begehen ist. Dennoch ist die
Gletscherlandschaft sehr beeindruckend, und im Winter, wenn überall Schnee
liegt, sieht die Gegend vermutlich auch wesentlich einladender aus.
Jasper
Auf Jasper waren wir sehr gespannt, denn ich hatte im Vorfeld viel
Gutes über das Städtchen und seine Umgebung gehört. Auf den ersten
Blick wird Jasper sehr vom Tourismus dominiert, an jeder Ecke gibt
es die üblichen Geschäfte, Hotels und Restaurants. Alles macht einen
sehr sauberen Eindruck, wie überhaupt in ganz Kanada. Dass mich die
Architektur oder
irgendwelche Sehenswürdigkeiten begeistert hätten, kann ich nicht
sagen. Aber darum geht es in Jasper auch gar nicht. Entscheidend
ist, dass man sich mitten in einer grünen Gebirgslandschaft
befindet, die zu Exkursionen einlädt. Und als größtes Geschenk
überhaupt empfanden wir, dass entgegen aller Prognosen die Sonne
schien und angenehme 20 Grad herrschten. Ideales Wetter also für
einen Mountainbike-Trip in die Wälder!
Ein Mountainbike-Vermieter (6$ pro Rad und Stunde) war schnell
gefunden, und nach kurzer Orientierung ging es ab in den Wald. Wir
hatten uns eine nicht allzu steile, ca. 20km lange Strecke entlang
des Athabasca River ausgesucht, die abseits der Straßen in
einem Rundkurs an vielen kleinen Seen und Teichen vorbei führte.
Selten habe ich die Natur so intensiv erlebt wie in diesen drei
Stunden. Den Wald hatten wir zum Glück fast für uns allein, und das
Panorama mit den Bergen im Hintergrund war einfach wunderschön. Von
der Fauna bekamen wir auch etwas zu sehen: Schon nach vielleicht
einem Kilometer lief uns ein Wapitihirsch über den Weg. Erst
blieb er stehen und musterte uns interessiert, fraß noch ein wenig
(Bild), dann verschwand er im Wald. Später sahen wir noch eine ganze
Herde von Wapitihirschen, die einen Fluss überquerte. Zum Glück
waren aber keine Bären unterwegs.
Etwas erschöpft, aber sehr zufrieden mit unserem Tagewerk ließen wir
den Tag bei einem leckeren Essen in einem der vielen Restaurants
ausklingen.
Banff
Am nächsten Tag ging es über den Icefields Parkway wieder zurück
Richtung Banff. Über die Fahrt gibt es nicht viel zu
berichten,
außer dass es zunächst geregnet hat, sich die Wolken aber
unmittelbar vor Banff verzogen und der Sonne Platz machten. Wie
schön, denn wir wollten als erstes mit einer Gondel auf den
Sulphur Mountain fahren, von dessen Gipfel aus man einen
hervorragenden Überblick auf das ganze Bow Valley mit Banff
in der Mitte haben sollte. Im Regen wäre die Aussicht sicherlich
nicht besonders gut gewesen, aber im Sonnenschein hielt der Berg,
was er versprach (Bild rechts). Gut, die Gondelfahrt ist nichts für
Leute mit Höhenangst, denn man hängt ca. acht Minuten lang über dem
Nichts (Bild links), und oben war es auch recht voll, aber die
Aussicht entschädigt für die Mühen (und die 20$ Eintritt). Moskitos
gibt es dort
oben übrigens auch, also Vorsicht!
Banff selbst ist nach unserem Eindruck vor allem ein Wintersportort.
In den Geschäften stehen überall Schilder, die das Betreten mit
Skiern verbieten, und an den Hoteltarifen konnte man erkennen, dass
vor allem im Winter Saison ist. Auch hier gilt, ähnlich wie für
Jasper, dass der Ort unverkennbar auf Touristen ausgerichtet, aber
sehr ordentlich ist. Die zentrale Durchgangsstraße wird gerade
komplett neu gepflastert, was einige kleine Umwege bedingte.
Am frühen Abend folgte dann ein weiteres Highlight unserer Reise:
Wir unternahmen eine Kanufahrt auf dem Bow River Creek, die uns bei
herrlichem Wetter auf erstaunlich flachem Wasser quer durch den Wald
und hohe Schilfbestände bis auf den
ersten
der drei Vermillion Lakes führte, auf dem wir erlebten, wie
die Sonne langsam hinter dem Mount Rundle unterging. Sehr
romantisch! Auf dem See trafen wir zwei Österreicher, die sich
spontan anboten, aus ihrem Kanu heraus einige Fotos von uns zu
machen. Nach einigem Navigieren schafften wir es auch tatsächlich,
in eine Position zu kommen, in der die Sonne vorn und die Landschaft
im Hintergrund stand. Das Ergebnis dieses lustigen Intermezzos ist
unten als großes Bild zu sehen.
Fazit: Eine solche Kanufahrt muss man machen, wenn man in
Banff ist. Unterwegs gab es neben der schönen Landschaft wiederum
Tiere zu sehen, nämlich Wildenten, die sich im Schilf eingenistet
hatten. Zuerst hatten wir Sorge, dass die Tiere sich vielleicht
durch uns oder andere Kanuten beim Brüten gestört fühlen könnten,
aber das war in keiner Weise der Fall. Offenbar hat man sich an die
Menschen längst gewöhnt und sie als
größtenteils harmlos eingestuft.
Banff NP
Den zweiten uns in Banff vergönnten Tag nutzten wir zu einem Ausflug
in die Umgebung, die ebenso wie in Jasper als Nationalpark
ausgewiesen ist. Am Morgen ging es als erstes zum Minnewanka Lake,
dem einzigen See im Banff NP, auf dem man Motorboot fahren darf. Da
wir bisher durchweg
positive Erfahrungen mit dieser
Freizeitbeschäftigung gemacht haben, ließen wir uns die Gelegenheit
nicht entgehen und mieteten uns ein Fischerboot mit Außenborder. An
diesem Morgen wehte ein recht frischer Wind über den See, der für
einen nicht zu unterschätzenden Wellengang sorgte. In der knappen
Stunde auf dem See hatten wir daher gut zu tun, um nicht
abzudriften, und zurück an Land waren wir zunächst noch etwas
wackelig auf den Beinen.

Die zweite Unternehmung des Tages führte uns in den Johnson
Canyon, einer nur neun Meter breiten Schlucht, in der man am
Fluss entlang wandern kann. Der Johnson Canyon liegt ein gutes Stück
außerhalb von Banff, und wir hatten ihn eigentlich als B-Attraktion
eingestuft, doch wider erwarten war es dort
brechend voll. Und das an einem Dienstag Mittag. Ich möchte nicht
wissen, was dort am Wochenende los ist. Jedenfalls sind wir gut
einen Kilometer den durch einen Holzsteg vorgegebenen Weg entlang
bis zu den Lower Falls gewandert, die hübsch anzusehen waren
(Bild links),
dann aber umgekehrt, weil es uns einfach zu voll wurde. In der Natur
möchte man auch etwas Ruhe haben.
Die bekamen wir dann an der dritten und letzten Station geliefert:
Von einem im Reiseführer empfohlenen Aussichtsplateau aus
konnte man die Hoodoos besonders gut sehen, wie jene von Wind und
Wetter aus dem Felsen gewaschenen steinernen Türmchen heißen (Bild
rechts), die uns ein wenig wie die kleinen Brüder der "Three
Sisters" vorkamen. Da der Aussichtspunkt nicht ausgeschildert
ist, war dort außer uns kein Mensch. Selbst wir wären trotz Karte um ein Haar
an ihm vorbei gefahren, weil er von der Straße aus wie ein weiterer
unscheinbarer Parkplatz aussieht. Das wäre schade gewesen, denn der Blick
über das Tal auf die Hoodoos ist wirklich sehr schön, mit einer
Flusskrümmung im Vordergrund, auf der wir einige Raftingboote
beobachten konnten.
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